Eingebrochen, die Vandalen waren da

Einbrecher waren im Haus. Sind in der ersten Dunkelheit von hinten durch den Garten gekommen, haben eins der Fenstergläser aus dem Rahmen gehebelt -- einfach pfhh, wie wenn man ein Einwekglas öffnet. Sind dann mit wilden Händen durch alle Kästen gejagt, haben sämtliche Hemden, Pullover, Handtücher herausgerissen und die Betten durchstöbert. Alles türmt sich -- wieviel Dinge man hat, weiß man erst, wenn sie alle herausgekramt am Boden liegen.

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Etliche Meter Bücher sind aus dem Regal gestoßen, niemand kann mehr drübersteigen. Und in der Küche haben die Diebe sogar die Mehl- und Zuckerdosen ausgekippt; muß wohl so sein, dass manche Menschen darin ihre Schätze verbergen.

Ist das noch unsere Wohnung? Fremd, sehr fremd sieht das Trümerfeld aus. Etwas wie Ekel liegt einem auf der Zunge: Überall waren diese Finger, diese ungebetenen Blicke. Scheint so, als klebten dreckige Spuren an allem, was nun in die Kästen zurücksortieren ist. Was denkt so einer, der in fremder Wäsche wühlt und nach Dingen greift, die nicht einmal Familienmitglieder voreinander preisgeben würden?

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Die Polizei war nett. Die Zerstörung ist mäßig. Das Geraubte wird ersetzt. Aber es sitzt da etwas im Haus, das an den eigenen Grundfesten rüttelt: Plötzlich ist die Hülle verletzt, dies naive Gefühl, dass du irgendwo geborgen bist. Der Schutzwall ist weg und mit ihm die Ruhe. Die Wände scheinen nach außen zu bluten, und jede Art von Gewalt scheint plötzlch Zugang zu haben. Du fühlst, wie da draußen stets jemand lauert, der nicht gewillt ist, Grenzen zu achgten. Wie lang wird diese Unruhe dauern? Schon wieder schlägt die Gartentür.

Es bewegen sich Schatten. Angst sinkt aufs Haus. Ach, es war nur Nachbars Hund. Einbrecher nehmen nicht nur Dinge. Sie stehlen Dir Leben.
 
Quelle: "Täglich Alles" vom 18.November 1997